80 Jahre Demokratie – und doch…

… sind wir in Deutschland ja vielleicht auf Dauer nicht demokratie-fähig.

Als ich jetzt in der FAZ las, was Anfang der Fünfzigerjahre Bürger*innen n frei erzählten, wie sie über Juden und die NS-Zeit dachten, hatte ich ein „Deja vue“ und hörte quasi meinen Vater reden:

Im Krieg, meinten viele, habe man selbst am meisten gelitten. Am Antisemitismus – und dem Umstand, dass er in der jungen Bundesrepublik wieder zunehme – seien die Juden selbst schuld. Die Deutschen seien Opfer einer „Siegerjustiz“, die Demokratie sei ihnen von den Besatzern aufgezwungen worden. Und der Nationalsozialismus sei eigentlich eine gute Idee, die nur schlecht in die Tat umgesetzt worden sei.

Vielleicdht hat die 68er Bewegung es nicht wirklich geschafft, die Neigung zum Faschismus zu beseitigen. Vielleicht hat sie im Untergrund geschwelt – wie ein Torffeuer, das trotz aller Löschversuche irgendwann wieder ausbricht.

Lesenswert: Was Adorno geheim halten wollte: Gruppenexperiment zur NS-Zeit | FAZ

Ist es wieder soweit?

In den dreißiger Jahren verhalf das Z(C)entrum – dessen politische Nachfolge die CDU 1945 angetreten hat – den Faschisten zur absoluten Macht. Offensichtlich wiederholt sich Geschichte doch.

Wie einst Göring bei seiner Wahl zum Reichstagspräsidenten am 30.August 1932 erhielt auch nun der rechtsextreme AfDler Tobias Rausch Stimmen aus der Mitte. Bei der Wahl zum Parlamentspräsidenten in Sachsen-Anhalt hatte sich die CDU bei der Wahl komplett enthalten wollen. SPD, Linke und Grüne wollten geschlossen mit Nein stimmen. Dass Rausch 48 Stimmen statt der 44 von AfD und BSW erhielt, lässt nur den Schluss zu, dass doch einige CDUler ihr Kreuz bei Ja machten. (cit.Spiegel).

Wer aufmerksam den Reden und Parolen der AfD Führungskräfte rund um die Wahlen in Sachsen-aAnhalt, Mecklenburg- Vorpommern und Berlin verfolgt hat, kann eigentlich keinen Zweifel mehr hegen, dass hier eine faschistische Bande die Macht ergreifen – und die Demokraten jagen – will. Und wie damals scheinen gewisse Christen in der CDU kein Problem zu haben, hierbei die Steigbügel zu halten.

Nicht die Faschisten sind das eigentliche Problem, sondern die, die ihnen die Hand reichen und ihnen den Weg ebnen. 80 bzw. 35 Jahre Demokratie sind wohl vielen Deutschen zuviel!

Noch können wir ein zwölf Jahre dauerndes „Tausendjähriges Reich“ verhindern – aber wie lange noch?

Und gestern war wieder ein Schwarzer Tag

Vor neun Jahren – am 25.September 2017 – titelte ich in einem Beitrag „Die Bundesrepublik wird nie mehr so sein, wie sie war. Gestern war ein schwarzer Tag für die deutsche Demokratie.“ Damals zogen die Antidemokraten der AfD erstmals in den Deutschen Bundestag ein.

Und gestern war wieder so ein schwarzer Tag. In Sachsen-Anhalt hat eine eindeutig rechtsextreme und verfassungsfeindliche Partei einen Erdrutschsieg eingefahren. Eine demokratische Mehrheit im Landesparlament gibt es nicht mehr.

Das Land wird von einem Wolf im Schafspelz regiert werden, einem Faschisten, der den Biedermann gibt. Von Politikern, die das Land schlecht reden, um sich dann als Retter aufzuspielen. Von Brandstiftern, die Feuer löschen wollen, die sie selbst gelegt haben. Von Faktenleugnern, die die plurale Konsensgesellschaft bekämpfen, Mindereheiten ausgrenzen und die Menschenwürde nur für ihre eigenen Anhänger gelten lassen.

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Und wieder manövriert sich die AfD in die Opfer-Rolle

Bereits jetzt werden die Gegendemonstrationen in Erfurt in den Linksextremismus verschoben.

So titelt die FR: „Tag X“ bei AfD-Parteitag in Erfurt? Linksextreme wollen von Dächern aus angreifen – Polizei alarmiert.

Ja, und leider fallen die Linken der Linken auf den Trick der AfD rein, indem sie Gewalt ankündigen.

Dabei ist der Parteitag der AfD per se eine Provokation:

„Am 4. Juli 1926 hat die NSDAP ihren ersten Reichsparteitag nach dem Parteiverbot in Weimar abgehalten“, sagte Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ich glaube der AfD nicht, dass dieses Datum und dieser Ort Zufall sind.“

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In Demut erinnern

In Demut erinnern

Heute haben wir mit der SPD-Tiergarten Süd wieder einen Gedenkspaziergang gemacht. Diesmal durch die Lützowstraße. Die Berichte über das jüdische Leben in dieser Straße, über die Verfolgungen durch die Nazis und die Schicksale der Opfer waren wieder sehr bewegend. Ein klares Fazit: NIE WIEDER!

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