Holland 2026
Volendam liegt keine zehn Kilometer von Edam entfernt — wir fuhren mit dem Auto, der Caravan blieb auf dem Stellplatz. Unseren Parkplatz fanden wir im Parallelweg – hinter dem Deich. Der Deich ist das touristische Zentrum, dahinter, im sogenannten Labyrinth, siedelten sich einst die Fischer an. Das Wasser war früher nicht Kulisse, sondern Bedrohung.

Heute ist der Deich eine Flaniermeile. Souvenirläden, Fischrestaurants, Fotostudios, in denen man sich gegen Geld in historische Tracht stecken lassen kann. Seit den 1980er Jahren trägt in Volendam niemand mehr die traditionelle Kleidung im Alltag — aber das Geschäft damit läuft prächtig.
Die Häuser stehen dicht gedrängt, keine gerade Straße. Kleine Holzfassaden, frisch gestrichen, Blumenkästen, Fahrräder. Hier wohnen noch Menschen. Das merkt man. Das Labyrinth verdankt seinen Namen der Tatsache, dass es hier keinen klar durchdachten Straßenplan gibt — die Fischer bauten, wo Platz war. Als wir vom Parkplatz wegfahren wollten, haben wir uns auch prompt verfranzt, standen plötzlich vor einer kleine Holzbrücke und mussten mühsam wenden.








Volendam war ein Fischerdorf. Um 1891 zählte Volendam 258 Fischereifahrzeuge auf der Zuidersee — eine Arbeitergemeinschaft, die vom Wasser lebte und vom Wasser bedroht wurde. Durch den Bau des Abschlussdamms verlor die Fischereiindustrie viel an Bedeutung. Was blieb, war das Bild davon. Die Tracht, der Hafen, die Boote — heute Dekoration für Touristen aus aller Welt, die sich fotografieren lassen wollen, wo früher Männer bei jedem Wetter rausfuhren und nicht immer zurückkamen.


Das ist die Geschichte fast jeder Fischergemeinschaft in Europa. Der Fisch ist weg, der Tourismus kam. Man arrangiert sich. Manchmal mit Würde, manchmal mit Kitsch — oft mit beidem gleichzeitig.



Den frischen Hering haben wir trotzdem gegessen. Er war ausgezeichnet.
Ach ja und leckeren Käse gibts hier natürlich auch.











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