Holland 2026

Der ursprüngliche Plan war: Amsterdam. Grachten, Rijksmuseum, Stroopwafeln am Kanal. Der Campingplatz in Amsterdam war mir zu teuer. Also scrollte ich durch die Karte, dreißig Kilometer in alle Richtungen — und stieß auf einen Campingplatz in einem Ort namens Edam. Kannte ich vom Käse. Warum also nicht.
Der Campingplatz lag am Rand der Stadt, mit Blick auf die flachen Polder. Morgens Vogelgezwitscher, zwischendurch Dialog mit den „Platz-Enten“ – abends Rückzug in den geheizten Wohnwagen, der Wind war noch saukalt.
Was mich beschäftigte: Diese Stadt sieht aus wie immer schon. Kein Neubau, der stört. Keine Fastfoodkette an der Ecke. Man könnte meinen, das sei einfach so passiert — ist es nicht. Das ist das Ergebnis von Planung, Geld und politischem Willen, Stadtbild zu schützen. Die Niederlande machen das konsequenter als die meisten europäischen Länder. Man kann das kritisieren — es konserviert manchmal auch soziale Ausgrenzung, wenn nur die Wohlhabenden sich solche Altstadtlagen leisten können. Aber schön ist es.














Den Käsemarkt haben wir verpasst
Von Juli bis August verwandelt sich jeden Mittwochmorgen der historische Käsemarktplatz in ein lebendiges Spektakel aus dem 17. Jahrhundert. Händler in traditioneller Tracht tragen die charakteristischen gelben und roten Käselaibe auf hölzernen Tragen, Käufer prüfen Qualität und Gewicht — genau wie vor 400 Jahren. Für Besucher soll es eine der authentischsten Folklore-Veranstaltungen der Niederlande sein. Den haben wir leider verpasst! Schade, wirklich.




Natürlich haben wir Käse gekauft. Das wäre wohl auch schwer zu vermeiden gewesen. Im Laden in der Altstadt neben dem Museum, wo zwischen blankpolierten Regalen voller Kugeln in Gelb und Rot zig Varianten angeboten wurden, haben wir uns für einen alten Edamer mit Naturrinde entschieden, wie er hier im Land gegessen wird. Ohne rote Paraffinschicht. Die ist nämlich für den Export — für uns Deutsche also. Der Geschmack: kräftig, leicht säuerlich, fester als ein Gouda. Besser als alles, was ich je im Supermarkt zu Hause in die Hand genommen habe. Kein Wunder. Denn was die meisten nicht wissen: der klassische Rohmilch-Edamer ist heute weitgehend vom Markt verschwunden — was wir im Supermarkt kaufen, ist fast immer Fabrikware aus pasteurisierter Milch. Und: der Begriff „Edamer“ selbst ist nicht geschützt — der Käse darf praktisch überall auf der Welt hergestellt werden. In Deutschland. In den USA. In Südamerika. Der Name „Edam“ auf der Verpackung sagt also herzlich wenig darüber aus, ob das Produkt irgendetwas mit dieser Stadt zu tun hat. So viele Kühe, wie es für so viel „falschen“ Edamer brauchte, passten hier ja auch gar nicht auf die Weide!



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