
Heute war ich trotz Regen und Hagel auf der Demo „Männer gegen Gewalt“ am Brandenburger Tor (auf dem Pariser Platz). Eine Kundgebung gegen geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt. Die Organisatoren wollten bewußt am „Vatertag/Herrentag“ Solidarität mit den feministischen Protesten der vergangenen Wochen zeigen.
Aufgerufen zur Demo hatte unter anderen der Bundesvorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, der sagte „Gewalt gegen Frauen sei ein Problem, das Männer lösen müssten, weil es von Männern ausgehe“ – allerdings leider nicht auf der Demo sondern Radioeins vom rbb.
Starke Frauen mit starken Testimonials beeindruckten die Zuhörerinnen. Unter Ihnen die Deutsch-Iranerin Daniela Sephiri, die eine gewaltige Philippika gegen Sexismus, Rassismus und Gewalt hielt und deutlich machte, wie sehr unser Wegschauen, Bagatellisieren und Nicht-Handeln für das Leiden von Frauen international verantwortlich ist. Beeindruckend war die Rede des Aktivisten Battal, der in seiner Kindheit selbst unter der häuslichen Gewalt gelitten hat und der daraus hohe Authentizität zog bei der Aussage „Es sind nicht alle Männer, aber es ist immer ein Mann… Deswegen ist es die Verantwortung der Männer, das Schweigen zu brechen… Es reicht nicht mehr aus, kein Täter zu sein, wir müssen endlich lauter werden und das hätte schon gestern passieren müssen.“





Die Veranstalter sprachen von 3.500 Teilnehmerinnen, die Polizei von etwa 800.(rbb24)
Ja, eine beindrucken de Veranstaltung. Und doch fehlte mir das klare Engagement der „Cis-Männer“! Kein prominenter cis-männlicher Politiker war erschienen, um deutlich zu machen, dass wir endlich eine gewaltige Anstrengung unternehmen müssen, um das „männliche Primat“, das Patriarchat und den Sexismus zu beenden.
Und deshalb möchte ich als „alter, weißer Mann“, der im patriacharlich authoritären und elitären Milieu der Nachkriegszeit groß geworden ist, der aber dazu gelernt hat und hoffentlich einige Verhaltensweisen korrigiert hat, aufschreien:
„Es muss endlich Schluss sein mit Sexismus!“
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen täglich belästigt, bedroht, verletzt oder getötet werden – weil sie Frauen sind.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der digitale Gewalt explodiert, in der Deepfakes Frauen tausendfach missbrauchen, in der Frauenhass sich organisiert und normalisiert.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Männer viel zu oft schweigen.
• Ich schreie, weil ich mich zutiefst „fremd“schäme dafür, dass Männer Frauen sexuell belästigen.
• Ich schreie, weil ich mich zutiefst „fremd“schäme dafür, dass Männer Frauen zum Sex zwingen.
• Ich schreie, weil ich mich zutiefst „fremd“schäme dafür, dass Männer Frauen wegen ihres Geschlechts töten.
• Ich schreie, weil der Hass gegen Frauen im Netz wächst.
• Ich schreie, weil Frauen per Deepfake missbraucht werden.
• Ich schreie, weil ich nicht will, dass Frauen und Mädchen vor Männern Angst haben müssen.
• Ich schreie, weil unser männliches Dominanzgehabe endlich aufhören muss.
„Schluss mit Sexismus und Patriarchat!“
…und wer glaubt, ich übertreibe, soll sich mal diesen Podcast anhören!
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