Maridi, die Azande und die vergessene Geschichte Äquatorias

Der Süd-Sudan vor dem Mahdi

Der Mahdi‑Aufstand von 1881 gilt oft als Wendepunkt der sudanesischen Geschichte. Doch wer den heutigen Südsudan verstehen will, muss weiter zurückblicken – in eine Zeit, in der die Region Äquatoria, das Azande‑Königreich und Orte wie Maridi ihre eigenen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Dynamiken hatten. Es ist eine Geschichte, die selten erzählt wird: der Süd-Sudan vor dem Mahdi, bevor die großen Umbrüche des 19. Jahrhunderts das Land erschütterten.

Wenn man heute nach Maridi fährt, über die rote Erde, die sich wie feiner Staub auf die Haut legt, ahnt man kaum, wie alt die Wege sind, die man dort betritt. Die Hügel wirken friedlich, fast schläfrig, und doch tragen sie Geschichten, die weit älter sind als die kolonialen Karten, die später über sie gelegt wurden. Bevor der Mahdi im Norden seine Anhänger sammelte, bevor die ägyptischen Garnisonen kamen, war dieser Landstrich ein Geflecht aus Königreichen, Wäldern und Wanderwegen, die niemand je auf Papier bannte – aber jeder kannte.

Weiterlesen

Maridi 2

Süd-Sudan 1980

Adda war schon vor mir in Maridi. Vom Deutschen Aussätzigen Hilfswerk (DAHW) entsandt, hatte sie zwei Krankenschwestern in der Lepra-Arbeit abgelöst und machte regelmäßige Dorfbesuche in einer riesigen Region, die ganz Westen-Equatoria umfasste. Wenn sie sich den Dörfern näherte, wurde die Große Busch-Trommel geschlagen. Das „Telefon“ rief die Leprösen zum Sammelplatz.

Eines dieser „Telefone“ haben wir mit nach Deutschland genommen. Es hat immer noch einen schönen weitreichenden Schall…
Weiterlesen