Les Milles

Das Camp des Milles bei Aix-en-Provence ist das einzige große Internierungs- und Deportationslager Frankreichs, das noch erhalten und als Gedenkstätte für Besucher zugänglich ist.

Sinngemäß: 
Die Sicherheitsvorkehrungen an diesem Ort machen deutlich, dass Antisemitismus und rassistische Ideologien auch heute noch eine Bedrohung darstellen. Ihr Besuch ist ein Zeichen des Widerstands gegen identitären Extremismus, der uns alle gefährdet.

Die Ziegelei von Les Milles, in der ursprünglich Dachziegel und Backsteine hergestellt wurden, wurde 1939 von den französischen Behörden beschlagnahmt und in ein Internierungslager umgewandelt.

Dafür gab es mehrere praktische Gründe: Die Fabrik lag etwas außerhalb von Aix-en-Provence und war gut kontrollierbar. Die großen Industriehallen boten Platz für Hunderte, später Tausende Internierte. Nach dem Produktionsstopp standen die Gebäude weitgehend leer und konnten ohne größeren Umbau genutzt werden. Ein Bahnanschluss war bereits vorhanden. Dieser erwies sich später tragischerweise als wesentlich für die Deportationen.

Die Geschichte des Camp des Milles lässt sich in drei Phasen gliedern:

  1. September 1939 bis Juni 1940: Lager für „feindliche Ausländer“

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs internierte die französische Regierung vor allem deutsche und österreichische Staatsangehörige. Darunter befanden sich viele jüdische Flüchtlinge, Künstler, Intellektuelle und überzeugte Antifaschisten, die vor dem Nationalsozialismus nach Frankreich geflohen waren. Paradoxerweise galten sie nun als „feindliche Staatsangehörige“.

So erlebte Lion Feuchtwanger das Camp des Milles als einen Ort der Demütigung und des politischen Paradoxons: Ausgerechnet er, der berühmte jüdische Schriftsteller und Gegner Hitlers, der vor den Nazis an die Cote d’Azur geflohen war, wurde nun hier als „feindlicher Ausländer“ interniert. In seinem Buch „Der Teufel in Frankreich“ schilderte er die staubigen, bedrückenden Lebensbedingungen, aber auch die Solidarität und kulturelle Widerstandskraft der Internierten.

  1. Juli 1940 bis Juli 1942: Lager für „Unerwünschte“ und Transitlager

Nach der französischen Niederlage und der Errichtung des Vichy-Regimes wurde das Lager stark erweitert. Hier wurden nun Flüchtlinge, ehemalige Kämpfer der Internationalen Brigaden, politische Gegner sowie aus Deutschland deportierte Juden festgehalten. Gleichzeitig entwickelte sich Camp des Milles zum wichtigsten französischen Transitlager für Emigrationen nach Übersee. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich zunehmend.

Aber trotz Internierung und wachsender Bedrohung entstand im Camp des Milles ein außergewöhnliches kulturelles Leben. Schauspieler, Schriftsteller, Musiker und Künstler organisierten Vorträge, Konzerte und Theateraufführungen.

In der „Katakombe“, einem ehemaligen Brennofen, wurde Kunst zu einer Form des geistigen Widerstands und der Bewahrung menschlicher Würde.
Im Lager geschaffene Skulptur von Peter Lipmann-Wulf
  1. August bis September 1942: Deportationslager für Juden

In seiner letzten Phase wurde Camp des Milles zu einem Sammel- und Deportationslager. Mehr als 2.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden über Drancy und Rivesaltes nach Auschwitz deportiert. Damit wurde das Lager zu einem direkten Bestandteil der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und der Kollaboration des Vichy-Regimes.

Von hier wurden 1942 über 2000 Jüd*innen über Drancy und Rivesaltes nach Auschwitz deportiert und ermordet!

Acht Pferde oder vierzig Menschen – nach Auschwitz wurden noch mehr hineingepfercht…
„Besonders schmerzhaft anzusehen war der Anblick der kleinen Kinder. Denn in letzter Minute wurden strenge Befehle erteilt, wonach alle über 2 Jahren zwingend mit ihren Eltern abreisen mussten … Ganz kleine Kinder, die vor Müdigkeit in der Nacht und in der Kälte stolperten und vor Hunger weinten …; arme kleine Kerlchen von 5 oder 6 Jahren, die tapfer, aber vergeblich versuchten, ein Bündel zu tragen, das so groß war wie sie selbst – und dann vor Schlaf umfielen und auf dem Boden lagen, sie und ihre Pakete – alle zitternd im nächtlichen Tau; junge Väter und Mütter, die still und lange weinten, weil sie angesichts des Leidens ihrer Kinder ihre Ohnmacht erkennen mussten; dann der Abfahrtsbefehl, den Hof zu verlassen und zum Zug zu gehen.“
(Pastor Henri Manen, Lagerseelsorger, Gerechter unter den Völkern, Transport vom 2. September 1942)
Wie in Deutschland steigt auch in Frankreich die. Zahl antisemitischer und rassistischer Übergriffe wieder an!

Nie Wieder!

[campdesmilles.org], [fr.wikipedia.org][schwarzaufweiss.de]


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