Auf den Spuren der Exilanten 1: Walter Bondy – Der Fotograf des Exils
Wenn man von den Exilierten in Sanary spricht, fallen meist die Namen Thomas Mann, Franz Werfel oder Lion Feuchtwanger. Doch kaum jemand hat diese Gemeinschaft so eindrucksvoll dokumentiert wie der Maler und Fotograf Walter Bondy (1880–1940).

Der aus Prag stammende Künstler ließ sich bereits 1932 in Sanary-sur-Mer nieder, als die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland viele Intellektuelle zur Flucht zwang.
Gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Camille Bondy eröffnete er ein Walter Bondys Fotoatelier am Quai Marie Esménard im Hafen von Sanary.



Dort entstand ein einzigartiges fotografisches Archiv des deutschsprachigen Exils. Zwischen 1932 und 1939 porträtierte Bondy zahlreiche Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle, die vor Nationalsozialismus und Verfolgung nach Südfrankreich geflohen waren. Sein Atelier wurde zu einem Treffpunkt der Exilgemeinschaft. Zu den von ihm Fotografierten gehörten unter anderem Ludwig Marcuse, Lion Feuchtwanger, Marta Feuchtwanger und zahlreiche weitere Exilierte. Seine Aufnahmen zeigen die Exilierten nicht als berühmte Persönlichkeiten der Literaturgeschichte, sondern als Menschen in einer Zeit der Unsicherheit, des Wartens und der Hoffnung. Gerade deshalb besitzen sie heute einen außergewöhnlichen dokumentarischen Wert. Etwa 3.000 Fotografien aus dem Nachlass Bondys wurden später der Stadtbibliothek von Toulon übergeben und bilden eines der wichtigsten Bildarchive zum deutschsprachigen Exil an der französischen Mittelmeerküste.



Der Ausbruch des Krieges zerstörte diese Welt. 1939 wurde Bondy als Ausländer von Internierung bedroht. Seine Diabetes-Erkrankung bewahrte ihn zwar zunächst vor einer Verlegung in ein Lager, doch die Krankheit und die politischen Ereignisse belasteten ihn schwer. Er starb am 17. September 1940 in Toulon. Camille Bondy führte seine Arbeit fort und bewahrte sein fotografisches Erbe.
[sanary-tourisme.com], [diaspora.j…online.net],
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