Als Ärzt*innen im Königreich

Dahomey 1973 – 75

(Quelle: F2N46A Benin, West Africa, Savalou, royal palace sponsored by muammar gaddafi)

Das Anfang des 17. Jahrhunderts von König Soha Gbaguidi I. gegründete Königreich Savalou erstreckte sich über ein Gebiet, das in etwa der westlichen Hälfte des Departements Collines im Zentrum der heutigen Republik Benin entsprach, einschließlich der Stadt Savalou.

Soha hatte mit seinem Clan, der zwischen Abomey und Bohicon angesiedelt war, zur Thronbesteigung des Abomey-Königs Do Aklin beigetragen und dadurch viel Macht erlangt und sich den Beinamen Oba Guidi (wahrer Herrscher) erwarb, aus dem später Gbaguidi wurde. Er wollte sich aber dessen Sohn Dako Donou nicht unterwerfen und zog mit seinem Volk gen Norden. Hier eroberte er durch eine List das Yoruba-Dorf Tchebelou am Fusse der Berge und gründete dort das Königreich Savalou. Zwar geriet dieses in der Folge in Abhängigkeit vom Königreich Abomey, spielte aber in diesem eine wichtige Rolle. Der König Baglo Gbaguidi III war König aller Mahi und Savalou wurde eine zentrale Plattform des Sklavenhandels. 1892 akzeptierte König Zoundegla Gbaguidi VIII, dass das Königreich französisches Protektorat wurde. In der Folge mussten die Könige durch die französische Kolonialmacht bestätigt werden.

Von 1937 bis 1983 regierte Gandigbe Gbaguidi XI – er war also „unser König“.

(Quelle: Tchokponhoue Josué, via Wikimedia Commons)

Bereits seit dem Jahr 1966 wurde der Posten des leitenden Arztes des GD bzw. CM Savalou bis auf eine kleine Unterbrechung im Jahre 1967 von EHs besetzt. Damit begann der Aufbau des GD zu seiner heutigen Größe. Er versorgt als einziges Hospital den Distrikt Savalou mit etwa 65 000 Einwohnern.

(GD (Gesundheitsdienst) oder CM (Circonscription Médicale) ist eine gesundheitsadministrative Einheit, die in der Regel einem Distrikt / Kreis entspricht;
EH waren Entwicklungshelfer des Deutschen Entwicklungsdienstes (ded)

(Quelle: Aus dem Evaluierungsbericht des DED-Gesundheitsprojektes in Dahomey, 1974)

1973 waren wir an der Reihe und wir hatten Glück und wurden schnell von der einheimischen Bevölkerung akzeptiert.

„Hey, wir haben ein weißes Baby! Dem müsst ihr das Bein wieder annähen.“

Bei der Arbeit erwarteten uns:

Ein Krankenhaus mit 120 Betten, weit über 1500 Entbindungen und deutlich über 350 Operationen pro Jahr sowie 750 (registrierte) Lepra-Kranke, 120 schwer Tuberkulose-Kranke (und eine große Dunkelziffer)…

(Quelle: Aus dem Evaluierungsbericht des DED-Gesundheitsprojektes in Dahomey, 1974)

Schwierige Operationen

und ein eklatanter Mangel an Ressourcen

Das Jahresbudget der gesamten circonscription médicale betrug gerade so viel wie ich vorher im deutschen Krankenhaus für die Antibiotika-Behandlung eines einzigen Patienten zur Rettung seines Beines nach Motorrad-Unfall hatte einsetzen können:

in deutscher Mark.

Also war Kreativität und Selbsthilfe angesagt:

Sterilisieren auf dem Holzfeuer

Und es war schnell klar, dass die kurative Versorgung im Krankenhaus nicht ausreichte, um den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern.

Zum einen galt es, die Leistungen der wohnortnahen Gesundheitsversorgung durch Dispensaries (Gesundheitsstationen) zu verbessern (Weiterbildung, Supervision),

zum anderen mussten präventive Maßnahmen (Hygiene-Verbesserung, Impfungen) an die Bevölkerung herangetragen werden.

Hausbesuch

Verbesserung der Wasserstellen

„Was der Chief da nur mit dem Weißen tuschelt?“

Ein gutes Vorbild. Er hat uns immer sehr unterstützt!

„Ob wir wirklich unsere Kinder impfen lassen sollen?“

…und nicht zuletzt „vorhandene Ressourcen“ nutzen, hier Zusammenarbeit mit einem Traditionellen Heiler bei der Rehabilition Polio-geschädigter Kinder.

Ein „traditioneller Heiler“ / Physiotherapeut
Ein starkes Team. Übergabe an die Nachfolger*innen

1974 wurde unsere Tochter – als erste Weiße – in Savalou geboren und als Solomé vom König adoptiert. So viel Ehre!


Entdecke mehr von Dr. Bergis Schmidt-Ehry

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Dieser Beitrag wurde unter Benin veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 thoughts on “Als Ärzt*innen im Königreich

Schreibe eine Antwort zu Bergis Schmidt-EhryAntwort abbrechen