Wiederaufbau eines Gesundheitswesens

Süd-Sudan 1979-82


🇩🇪 Das Deutsche Ärzteteam der GTZ in Western Equatoria (1978–1982)

Zwischen 1978 und 1982 war die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) mit einem multidisziplinären Team in Western Equatoria tätig. Die Region befand sich nach Jahren des Bürgerkriegs im mühsamen Wiederaufbau. Staatliche Gesundheitsdienste existierten nur in Ansätzen, die meisten Einrichtungen waren zerstört oder verlassen, und große Teile der Bevölkerung hatten seit Jahrzehnten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. In dieser Situation übernahm das deutsche Team eine zentrale Rolle beim Neuaufbau eines funktionierenden Basisgesundheitswesens.

Das Team setzte sich aus Ärzten, Pflegekräften, Bauingenieuren, Technikern und administrativem Personal zusammen. Sein Auftrag umfasste im Rahmen der Primärgesundheitsversorgung den Wiederaufbau und die Unterstützung ländlicher Gesundheitsstationen, die Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung lokaler Health Workers sowie die Mütter‑ und Kindgesundheit. Ein besonderer Schwerpunkt lag darauf, die Bevölkerung aktiv einzubeziehen und lokale Strukturen so zu stärken, dass sie langfristig eigenständig arbeiten konnten.

Zum Arbeitsalltag gehörten regelmäßige Supervisionstouren, Aufklärungskampagnen in den Dörfern und mobile Einsätze in abgelegenen Gebieten (Siehe Gemenze Toi). Ebenso anspruchsvoll war die Organisation der Medikamentenversorgung, die unter den schwierigen logistischen Bedingungen der Region eine permanente Herausforderung darstellte. Das Team führte zudem Motivationsmaßnahmen durch, um die Dorfgemeinschaften für die Mitarbeit beim Bau von Gesundheitsposten und Dispensarien sowie bei der Instandhaltung der Wege zu gewinnen – eine Voraussetzung dafür, dass medizinische Hilfe überhaupt zu den Menschen gelangen konnte.

Die Arbeit erfolgte unter Bedingungen, die von Improvisation und Pragmatismus geprägt waren: Straßen waren häufig unpassierbar (siehe Straßen oder so ähnlich), Transportmittel knapp, und die Kommunikation mit der Zentrale in Juba lief ausschließlich über Kurzwellenfunk. Dennoch gelang es dem Team, tragfähige Strukturen aufzubauen und die Grundlage für ein funktionierendes ländliches Gesundheitswesen zu legen. Viele der damals eingeführten Ansätze – insbesondere die Ausbildung lokaler Health Workers und die enge Einbindung der Dorfgemeinschaften – wirkten weit über die Projektlaufzeit hinaus.


In Eigenhilfe gebauter Gesundheitsposten (Health-Post) mit Tisch in Lehmbauweise:

Mit Hilfe des GMT errichtete Gesundheitsstationen (Dispensaries):

Gesundheits- und Entbindungsstation (Dispensary with Maternity):

Die Errichtung von Latrinen ist ein wichtiger Schritt zu besserer Hygiene und Krankheitsvermeidung:

Brunnen statt verschmutzter Wasserstellen. Aber auch deren richtige Benutzung muss gelernt werden. Frauen und Mädchen sind glücklich, denn es erspart ihnen lange beschwerliche Wege,

Bau eines Getreidespeichers:

Wiederaufbau und Frieden währten nicht lange. 1983 mussten die deutschen Entwicklungshelfer wieder abgezogen werden. Der nächste Bürgerkrieg war ausgebrochen….

Mit dem erneuten Aufflammen des Bürgerkriegs ab 1983 wurden zahlreiche Fortschritte gefährdet oder zerstört, doch die Arbeit des GTZ-Teams bleibt ein Beispiel für wirksame Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Kontexten – auch über den Sudan hinaus.


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