Vielleicht geht es Euch wie mir. Fast täglich ärgere ich mich über das oft mühsame Trennen des Mülls, der leider auch bei mir in unerquicklichen Mengen anfällt. Aber ich unterziehe mich dem, weil es ja einem guten Zweck dient. Oder etwa nicht?
Natürlich war es ein richtiger Schritt, dafür zu sorgen, dass unser Müll nicht mehr nur deponiert, verbrannt oder gar nach Afrika verschifft wird. Aber hält das Duale System Deutschland (DSD) denn wirklich, was es versprochen hat?
Das Duale System wurde Anfang der 1990er eingeführt, um Verpackungsmüll zu reduzieren, Recyclingquoten zu erhöhen, Deponien zu entlasten und Hersteller stärker in die Verantwortung zu nehmen („Verursacherprinzip“). Der „Gelbe Sack“ ist dabei das Sammelsystem für Leichtverpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen.
In der Theorie klingt das nach einem sauberen Kreislauf:
Wir trennen → DSD sammelt → Sortieranlagen trennen weiter → Recycling → neue Produkte.
Aber Nur ein kleiner Teil wird wirklich recycelt! Tatsächlich wird ein großer Teil „energetisch verwertet“ (sprich: verbrannt). Nur ein Teil der Kunststoffe wird tatsächlich werkstofflich recycelt. und die vielverwendten Verbundstoffe (z. B. Tetrapaks) sind sowieso technisch schwer zu trennen.
Das heißt: Der Gelbe Sack ist kein Garant für echtes Recycling.
Das DSD sollte eigentlich Druck auf Hersteller ausüben, weniger Verpackungen zu produzieren.
In der Praxis werden aber Verpackungen meist nicht recyclingfreundlich gestaltet. Die Lizenzgebühren sind für viele Hersteller zu niedrig, um echten Wandel zu erzwingen. Und „Greenwashing“ durch angeblich recycelbare Verpackungen ist weit verbreitet.
Und last not least: Viele Bürger wissen gar nicht was genau in den Gelben Sack gehört. „Fehlwürfe“ führen dazu, dass ganze Container nicht dem Recycling zugeführt werden. Wie viel wird am Ende wirklich recycelt? Unklar ist für viele von uns Bürger*innen zudem wie das System finanziert wird und wie die Finanzflüsse laufen. Gewünschte Intransparenz?
Nun scheint die Bilanz der Müllverwertung in Deutschland doch gar nicht so schlecht. Deutschland erzeugte 323 Mio. Tonnen Abfall im Jahr 2023. 82 % aller Abfälle wurden 2023 verwertet, davon 70 % stofflich und 12 % energetisch. (Quelle: Statista). Allerdings sind hierin auch die Bau- und Abbruchabfälle enthalten, die rund 50 % oder mehr des gesamten Abfallaufkommens ausmachen. Beton, Ziegel, Asphalt oder mineralische Baustoffe lassen sich technisch einfach zerkleinern und als Recyclingbaustoff wiederverwenden. Das führt zu Recyclingquoten von oft über 80–90 %.
Dadurch werden die deutlich niedrigeren Quoten im Haushaltsbereich verdeckt. Siedlungsabfälle (Haushaltsmüll, Gewerbemüll ähnlicher Zusammensetzung) liegen oft nur bei 30–50 % Recyclingquote. Für Berliner Haushaltsmüll lag die Quote in den letzten Jahren zwischen 35 und 45%!
Und das bei dem riesigen Aufwand, den die Bevölkerung – also wir! – täglich beim Mülltrennen betreiben.
Eigentlich gibt es bereits seit den 90er Jahren hierzu eine Alternative!
Das Trockenstabilatverfahren

Dr. Karl Ihmels beschreibt die Entwicklung und Blockade des Trockenstabilatverfahrens, einer innovativen Technologie zur Hausmüllverwertung, die in Deutschland politisch und wirtschaftlich behindert und schließlich ins Ausland verdrängt wurde.
Das Trockenstabilatverfahren als innovative Technologie zur Hausmüllverwertung kommt ohne getrennte Sammlung aus und schafft aus Restmüll einen schadstoffarmen, lagerfähigen Ersatzbrennstoff sowie verwertbare Metalle, Glas, Kunststoffe und Inertmaterial.
Das Verfahren bietet ökologische Vorteile wie Schadstoffarmut, Klimaschutz durch Vermeidung von Methanbildung und Ressourcenschonung sowie ökonomische Vorteile wie geringere Kosten, Wertstofferlöse und Entlastung der Hausmüllgebühren.
Energiewirtschaftlich ersetzt Trockenstabilat Braunkohle mit höherem Heizwert und geringeren CO₂-Emissionen; die Technologie ist flexibel, skalierbar und bietet Perspektiven für Wasserstoffwirtschaft und Digitalisierung.
Wichtige Kennzahlen sind u.a. 520 kg Trockenstabilat pro Tonne Restmüll, Reduktion der Sammeltouren von vier auf zwei und eine Steigerung der Kunststoffausbeute um ca. 45% gegenüber dem Gelben Sack.
Mehr dazu im White Paper: Das Trockenstabilatverfahren
Das Verfahren ist international erprobt, wurde aber in Deutschland politisch blockiert, um die Festlegung auf das DSD-System und die damit verbundenen Interessen der Entsorgungsnetzwerke nicht zu gefährden.
Hierdurch sind nicht nur hohe ökologische und finanzielle Kosten (geschätzt 90 Milliarden Euro) entstanden, sondern auch der Verlust technologischer Führerschaft.
Aktuelle Entwicklungen wie der Verfassungsrang des Klimaschutzes, die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, die Krise der Recycling-Branche und der Emissionshandel eröffnen neue Perspektiven für eine mögliche Wiedereinführung des Trockenstabilatverfahrens.
Wäre es nicht schön, wenn wir unseren Müll wieder in nur eine Tonne werfen könnten und am Ende doch eine vernünftige Verwertung rauskäme?!
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