„Das Vergessen ist seit den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland
grundlegender Bestandteil der Erinnerungskultur.“ aus: Vergessene
Widerstandskämpferinnen von Lothar Pollähne. Dem Vergessen wollen wir entgegentreten!
Von Dr. Bergis Schmidt-Ehry und Ernst Richter
Viele Frauen hatten in den 15 Jahren nach der November-Revolution 1918 den
dramatischen Rollenwandel erlebt, der mit der Einführung des
gleichberechtigten Frauenwahlrechts einherging.
Und dennoch dürften die meisten Frauen in der Weimarer Republik und im
3.Reich eher unpolitisch gewesen sein.
Die Nationalsozialistische Politik hatte jedoch zum Ziel, Frauen auf ihre
„angestammte Rolle“ zurück zu führen. Dazu Hitler auf dem Reichsparteitag
der NSDAP am 8. September 1934 in Nürnberg:
„[…] das Wort von der Frauenemanzipation ist ein nur vom jüdischen Intellekt
erfundenes Wort. Wir empfinden es nicht als richtig, wenn das Weib in die Welt
des Mannes eindringt, sondern wir empfinden es als natürlich, wenn diese
beiden Welten geschieden bleiben.“ Die Nationalsozialisten wollten, dass die
Frau im Nationalsozialismus nur Mutter und Ehefrau war. Sie sollte viele Kinder
bekommen und auf diese Weise den Fortbestand des Dritten Reiches sichern.
NS-Frauenschaft, das Deutsche Frauenwerk, der Bund Deutscher Mädchen und
das Mutterkreuz (ein bewußt millitär-ähnlicher Orden für Vielgebährende)
dienten dazu, dieses Bild unters Volk zu bringen. Glaubt man den
verstörenden Propaganda-Bildern der damaligen Zeit von Frauen, die dem im
offenen Auto vorbeifahrenden »Führer« mit Freudentränen und schmachtenden
Blicken begegnen, war das wohl auch bei vielen erfolgreich.
Aber es gab auch die andern:
Frauen im Widerstand – die Widerständigen.
Da denken viele an Sophie Scholl, manche an die Frauen der „Roten Kapelle“.
Aber es waren derer sehr viel mehr. Noch heute ist „der Anteil dieser Frauen
im Kampf gegen den NS-Staat in der Öffentlichkeit wenig bekannt“. In der
Aufarbeitung des Widerstands gegen das Nationalsozialistische Terrorregime
wurden Frauen oft übergangen. Vielen von ihnen „war und ist noch heute ihre
eigene Tat nicht bedeutend genug, um sie „Widerstand“ zu nennen“ (Irene
Jung).“ Und doch haben viele ihr riskantes Handeln nicht überlebt oder litten
ein Leben lang unter den zugefügten Traumata. Einige fanden nach dem
zweiten Weltkrieg den Weg (zurück) in ein engagiertes Handeln für
Demokratie, Gleichberechtigung und Frieden.
„Nichts war vergeblich“ titelte die Ausstellung im Januar 2019 im Wetzlarer
Rathaus zu Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die den Mut
von Frauen, die sich gegen den Terror des NS-Systems stellten, würdigte.
„Immer folgten sie ihrem Gewissen – und setzten damit ihr Leben aufs Spiel.“
Dabei geht es – wie Frau Gudrun Schmidt in ihrem Vortrag zur Eröffnung der
Ausstellung darlegte – „nicht nur um den politischen/organisierten oder
bewaffneten Widerstand, sondern alle Aktivitäten, die sich gegen das
Naziregime richteten eben um „Widerständigkeit“. Widerständige Frauen waren
meist solche, die „für die damalige Zeit sehr moderne Lebensentwürfe hatten
und nicht bereit waren, sich dem NS-Frauenbild oder herrschenden Normen zu
unterwerfen“. Aus welchen Motiven auch die Widerständigkeit erwachsen war,stand der humane Umgang mit Menschen fast immer im Vordergrund, ebenso
wie die Vision einer gerechteren und solidarischen Gesellschaft.
Frauen traten zum Teil mit subtilen Mitteln dem totalitären Machtanspruch der
Nazis entgegentraten. Beispiele hierfür gibt Frau Schmidt:“Frauen nahmen
bewusst zwei gefüllte Einkaufstaschen mit, wenn sie unterwegs waren, so
waren sie gehindert, den Hitlergruß zu leisten. Frauen waren nicht bereit, den
Rassegesetzen Folge zu leisten und sich vom jüdischen Ehe-Partner zu
trennen. Frauen nutzen ihre Rolle als Frau und/oder Mutter für ihre Aktivitäten
und transportierten zum Beispiel im Kinderwagen Schreibmaschinen,
Abziehgeräte, Flugblätter und Zeitschriften oder im doppelten Boden einer
Hebammentasche Material.Frauen präparierten z.B. Walnüsse mit kleinen
Zetteln und legten sie in Körbe, die in der Vorweihnachtszeit vor Geschäften
standen, wo sich die Passanten eine Walnuss mitnehmen konnten – die
geheime Botschaft inbegriffen. Frauen besorgten Papier für Flugblätter (10
Blatt hier, 10 Blatt dort – man konnte nicht einfach in den Laden gehen und
500 Blatt Papier kaufen, das wäre sofort verdächtig gewesen), erstellten und
tippten die Flugblätter und Schriften auf Matrizen, nudelten die in kleinen
Auflagen auf Abzugsgeräten ab und sorgten für die Verteilung.Frauen leisteten
Fluchthilfe, versteckten Menschen, bauten Fluchthilfenetze auf. Sie sammelten
Geld und Lebensmittel für die Familien von Verhafteten, kümmerten sich um
deren Kinder. Frauen verstießen gegen inhumane Gesetze der Nazis, wenn sie
Zwangsarbeitern Lebensmittel oder Kleidungsstücke zusteckten.
Frauen hatten Kontakte oder Liebesverhältnisse zu sog. „Fremdländischen“ und
ließen sich diese nicht verbieten. Frauen gingen oder mussten ins Exil gehen,
um ihrer Verhaftung zu entgehen und arbeiteten im Exil weiter gegen die
Naziherrschaft.“
Die „Widerständigkeit“ der Frauen ahndeten die Nazis mit Haft und Folter in
Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern – und nicht selten mit
deren Ermordung.
Vielen der widerständigen Frauen wurde leider auch nach 1945 keine
Entschädigung für Verfolgung und Haft zugesprochen, da durch die Einengung
des Widerstandsbegriffes auf „politischen Widerstand“ die Widerstandsarbeit
von Frauen gering geschätzt wurde.
Dass es auch „in Wetzlar couragierte, humanistisch gesinnte Frauen gab“,
stellte Dr. Irene Jung anlässlich dieser Ausstelung an drei Beispielen dar: »Sie
kommen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, haben verschiedene
weltanschauliche Prägungen. Aber alle drei haben sich während der
Naziherrschaft ein Gefühl für Mitmenschen in Not und für Gerechtigkeit
bewahrt«. Lina Muders, Johanna Knothe und Dr.Elsie Kühn-Leitz stehen
exemplarisch für Frauen in Wetzlar und im Lahn-Dill-Kreis, die den Mut zum
offenen oder stillen Kampf gegen das menschenverachtende Nazi-Regime
wagten. Die Wetzlarerin Elli Lotz steht für die „organisierten“
Widerstandskämpferinnen, die den Martyrertod sterben mussten.
Lina Muders war eine Wetzlarer Sozialdemokratin, die sich auch während des
nationalsozialistischen Regimes für Menschlichkeit, Toleranz und soziale
Gerechtigkeit einsetzte.
Tochter eines Maurers, verheiratet mit dem Handschuhmacher Anton Muders,trat sie 1919 mit 27 Jahren in die SPD ein, engagierte sich in der
Arbeiterwohlfahrt und versuchte stets, in Not geratenen Menschen zu helfen.
Nach der Machtübernahme durch die NSDAP ging sie wie viele andere SPD-
Mitglieder in den Untergrund. Sie gehörte zum Widerstandskreis um den
späteren 1. hessischen SPD-Vorsitzenden der Nachkriegszeit und Mit-
Konstrukteur der hessischen Landesverfassung, Willy Knothe.
„Die Zeitung (Volksstimme) wurde verboten, aber ich habe sie trotzdem
glesen“ berichtet der Wetzlarer Sozialsemokrat F.Walther, „die Lina Muders ist
heimlich nach Frankfurt gefahren und hat unter ihrer Kleidung das Material
versteckt…..Die Frau ist aber durch irgenwelche Umstände verraten worden,
jedenfalls ist sie aus dem Zug heraus verhaftet worden und war lange
eingesperrt.“
In der Anklageschrift vom Januar 1935 wird Lina Muders vorgeworfen, von
Ende 1933 bis Juli 1934 ein „hochverräterisches Unternehmen“ vorbereitet,
Kontakt zu Mitgliedern der verbotenen SAJ und verteilte verbotene Schriften
verteilt zu haben. Der Generalstaatsanwalt in Kassel klagte sie an, als tätig
gewesen zu sein. Sie wurde als „kommunistische Kurierin“ verurteilt und saß
vom 10. Juli 1934 bis zum 3. April 1935 zunächst in der berüchtigten
Haftanstalt Preungesheim, später in Kassel ein. Neben den Qualen in der Haft
entstand Lina Muders auch schwerer ökonomischer Schaden. So wurden ihr für
die Zeit der Schutzhaft, also vor der Anklageerhebung, täglich 1,50 Mark
einbehalten. Der Ehemann musste während der Gefangenschaft nicht
unbeträchtliche Anwaltskosten bezahlen. Nachdem er 1950 die Erstattung
dieser Kosten beantragt hatte, wurden zwei Jahre später von der zu
erwartenden Rückerstattung in Höhe von 541 Reichsmark nach kunstvollem
Herunterrechnen gerade einmal 108,20 Reichsmark zugesprochen. Bis 1954
musste Lina Muders geradezu betteln, ihr wenigstens dieses Geld aus dem
Härtefonds zu bewilligen. Wegen seiner kleinen Rente musste ihr Mann mit 72
Jahren noch immer arbeiten. „Da die Antragstellerin 62 Jahre alt ist, wird
vorgeschlagen, den festgesetzten Betrag in Höhe von DM 108,20 einmalig aus
Mitteln des Härtefonds zur Auszahlung zu gewähren.“ wurde am Ende
entschieden. Laut Dr. Irene Jung „befürchtete man wohl, dass es nicht gut
aussähe, wenn sie vor der Auszahlung der ihr zustehenden Entschädigung
stürbe.“
Unmittelbar nach dem Krieg war Lina Muders eine treibende Kraft, um das
demokratische Gemeinwesenund die Wetzlarer SPD in Stadt und Kreis wieder
aufzubauen. Ihr aufrechte Haltung und ihren Einsatz für die sogenannten
kleinen Leute nahm die Wetzlarer SPD zum Anlass, einen Preis für Zivilcourage
und bürgerschaftliches Engagement nach ihr zu benennen.
Tapfer kanditierte die Sozialkdemokratin Johanna Knothe für die
Kommunalwahl vom 12. März 1933 – und wurde gewählt. Die Wahl war die
letzte vor der endgültigen Errichtung des totalitären Nazi-Staates. Die KPD war
bereits verboten und Sozialdemokraten von Verfolgung bedroht.
Die Ehefrau des SPD-Parteisekretärs Willi Knothe war überzeugte
Sozialdemokratin. Bereits zuvor war sie als sachkundige Bürgerin in der
Krankenhaus-Kommission tätig. Ihr Engement für in Not Geratene zeigte sich
auch in der Übernahme der Vormundschaft für zwei Kinder einer Witwe aus
Niedergirmes. Ihr Mandat konnte sie allerdings nicht mehr wahrnehmen, dadas Ehepaar im Mai 33 versuchte in der Großstadt Frankfurt unter zu tauchen.
Aber auch an ihrem neuen Wohnort standen sie unter ständiger Beobachtung
durch die Gestapo und mussten Hausdurchsuchungen und Vernehmungen über
sich ergehen lassen. Am 22. Januar 1934 wurde Johanna Knothe
festgenommen und fünf Wochen lang inhaftiert. Ein erster
Nervenzusammenbruch war die Folge der ständigen Schikanen. Ihr Mann
wurde im Juni des gleichen Jahres wegen „Hochverrat“ zu 2 Jahren Zuchthaus
und 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Als Willi Knothe nach wiederholten
Verhaftungen schließlich im Jahre 1944 die Flucht aus dem Frankfurter Polizei-
Gefängnis gelang, erschien die Gestapo wieder bei ihr und ein Gestapo-
Beamter misshandelte sie schwer, um Aufenthaltsort ihres Mannes aus ihr
heraus zu pressen.
Bezeichnend für das „Vergessen“ nach dem Kriege war, dass Johanna nur mit
großen Mühen eine Haftentschädigung erhalten konnte, und ihre psychischen
und physischen Leiden dabei völlig unberücksichtigt blieben. Die
entsprechenden Akten seien bereits 1941 „eingestampft“ worden. Dass
nationasozialisches Denekn auch in den 50er Jahren noch präsent war, wird
plausibel durch die Tatsache, dass Johanna Knothe durch eidesstattliche
Erklärungen von Freunden oder Nachbarn nachweisen musste, dass ihre
schwerwiegenden Erkrankungen nicht z. B. „anlagebedingt“ waren. Eine kleine
Rente, die sie zur Entschädigung für die erlittenen Verfolgungen erhielt wurde
1968 wieder gestrichen, da ihre eigen (erworbene) Sozialversicherungsrente
dagene aufgerechnet wurde! Dass die kleine Zusatzrente eine Entschädigung
für erlittenes Unrecht war, spielte dabei keine Rolle.
Dr. Elsie Kuhn-Leitz, die Unternehmerstochter war weltoffen erzogen
worden. Ethische Werte, demokratische und freiheitliche Erziehung erfuhr sie
in der reformpädagogischen Freien Schulgemeinde Wickersdorf. Sie studierte
Wirtschafts-Wissenschaften und promovierte in Jura über Eherecht. „Elsie Leitz
war eine sehr moderne Frau, die keine Denkverbote akzeptierte.“ sagt Dr.Irene
Jung. Die Industriellen-Familie Leitz konnte mit dem dumpfen Nationalismus
nichts anfangen. Der Vater, Ernst Leitz II, gehörte 1918 zu den Gründern der
Deutschen Demokratischen Partei in Wetzlar und war aktives Mitglied des
Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, einer von den Sozialdemokraten
gegründeten Organisation zum Schutz der jungen und gefährdeten Weimarer
Republik. Seine gegen die Nationalsozialisten gerichteten Aktivitäten gingen
soweit, dass er in öffentlichen Versammlungen auftrat und die Nazis als
»Braune Affen« bezeichnete. Als die Ernst-Leitz GmbH zur Sicherstellung der
kriegswichtigen Produktion Ostarbeiterinnen einstellen musste, wurde Elsie
Kühn-Leitz von der »Deutschen Arbeitsfront« als Unterlagerführerin
eingesetzt. Dabei setzte sie all ihre Mittel ein, die Situation der Frauen so
erträglich wie möglich zu gestalten.
Im Jahre 1943 organisierte sie die Fluchthilfe für Hedwig Palm, einer mit einem
Christen verheirateten Wetzlarer Jüdin, brachte Frau Palm und eine
Fluchthelferin bei ihrer Tante in München unter. Auf der Flucht in die Schweiz
wurden die beiden Frauen verraten und an der Grenze festgenommen. Hedwig
Palm verstarb – vermutlich Anfang 1945 – im Konzentrationslager
Ravensbrück. Elsie Kühn-Leitz wurde als Mitwisserin angezeigt. Am
10.September 1943 wurde die damals 40jährige Mutter und Ehefrau zunächst(gemeinsam mit ihrem Vater) in die Gestapo-Zentrale in Frankfurt vorgeladen.
Nach stundenlangem Verhör wird sie unter dem Tatvorwurf der „übertriebenen
Humanität“ gegenüber den ihr unterstellten Ostarbeiterinnen und der Beihilfe
zur Flucht einer Jüdin festgenommen und in das berüchtigte Gefängnis in der
Frankfurter Klapperfeldstraße verbracht. »Ich erwiderte zum Schluss nur, dass
ich mich vielleicht gegen ein von Menschen aufgestelltes Gesetz vergangen
hätte, aber niemals gegen das göttliche Gesetz, denn vor Gott sind alle
Menschen gleich, ob Juden, Christen oder Heiden, und das Gesetz der
Menschlichkeit habe mich zu diesem Tun veranlasst, ich hätte also nichts zu
bereuen.« berichtet sie selbst später, aber auch, dass sie aufgrund ihrer
Herkunft meist eine bessere Behandlung erfuhr als die anderen Gefangenen,
die dort einsaßen weil sie Jüdinnen waren oder solchen geholfen hatten, aus
weltanschaulichen oder politischen Gründen, oder allen anderen möglichen
Nichtigkeiten, die einfach den Nazis nicht in den Kram passten. Am 28.
November wurde sie schließlich entlassen. Dazu schreibt sie selbst später:
„Das Wunder der Befreiung hatte sich allerdings nur dadurch vollzogen, daß
mein treuer Vater Tausende und Tausende für Bestechungsgelder der Gestapo
geopfert hatte.“ Auch nach ihrer Haftentlassung wurde sie immer wieder von
den Nazis bedrängt und durch die Gestapo verhört. Erst nach der Befreiung
durch die Amerikaner kann Elsie Kühn-Leitz zu einem normalen Leben zurück
kehren. Bis zu ihrem Tod am 5.August 1985 setzte sie sich für humanistische
und demokratische Grundwerte und die Völkerverständigung ein. Sie wurde
eine Vorkämpferin für die europäische Einigung, die deutsch-französische
Freundschaft und unterstützte humanitäre Aktionen und die Unabhängigkeit in
Afrika.
Elli Hatschek wurde als Elli Lotz am 2. Juli 1901 in Wetzlar geboren. Sie war
die zweite Ehefrau des tscheschichen Ingenieurs für Optik und Filmtechnik
Dr.Paul Hatschek und lebte mit ihm in Berlin. Hatschek forschte im Bereich des
Tonfilms, arbeitete für die Tobis Filmgesellschaft und hielt bereits Patente für
Projektoren in Amerika und Canada. 1937 in Prag bot er den Sowjets
entsprechende Erfindungen an und kam in zum russischen Geheimdienst GRU.
1939 schloss er sich der Widerstandsgruppe „Europäische Union“ an und wurde
bald ein führendes Mitglied. Sowohl seine Tochter, die in Prag lebende Krista
Lavíčková, als auch seine Frau Elli unterstützten seine antifaschistischen
Tätigkeiten. Nach Kontakten mit der Berliner Widerstands-Gruppe um Robert
Uhrig wurde er im Frühjahr 1942 kurzfristig verhaftet, aber wieder
freigelassen. Robert Havemann, einer der Gründer der „Europäischen Union“
(und DDR-Dissident) ging später davon aus, dass Hatschek – und seine Frau –
jahrelang unter Beobachtung durch die Gestapo standen. Offensichtlich von
einem Spitzel verraten wurde die Führung der „Europäischen Union“ im
September 1943 verhaftet. Auch Paul Hatschek – er hatte vergeblich versucht,
von der Widerstandsgruppe gesammelte Informationen an die Sowjetunion
weiterzuleiten – wurde mit seiner Ehefrau festgenommen. Der »Volksgerichtshof« verurteilte ihn am 27. März 1944 gemeinsam mit seiner Tochter Krista Lavicková zum Tode; er wurde am 15. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg ermordet.
Am 4. November 1944 verurteilte der »Volksgerichtshof Elli Hatschek wegen
ihrer Verbindungen zur Europäischen Union und »Wehrkraftzersetzung zumTode. Sie wurde am 8. Dezember 1944 in Plötzensee ermordet.
Diese vier Frauen stehen hier für viele andere Widerständlerinnen, denn auch
in Wetzlar gab es Frauen, die die Familien Gefangener unterstützten, die zu
ihren jüdischen Männern standen, die Zwangsarbeiter*innen Hilfe zukommen
liessen, die „subversives Material“ transportierten und verteilten, oder die
einfach den Hitlergruß vermieden.
Dieser Artikel erschien erstmals am 11.Mai und am 18. Mai 2019 in der Wetzlarer Neuen Zeitung
Entdecke mehr von Dr. Bergis Schmidt-Ehry
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