Süd-Sudan 1980
Der Auftrag lautete zu prüfen, ob und wo der Einsatz von deutschen Entwicklungshelfer*innen in der Lakes-Provinz möglich und sinnvoll wäre. Es ging durch Savanen und Schwemmland, nur durchzogen von endlosen Rinderpfaden.
Die hier lebenden Dinka folgen einer halbnomadischen Lebensweise. Die kleinen, weit verstreuten Einzelgehöfte (baai) bestehen aus runden Lehmhäusern mit grasgedeckten Kegeldächern, Viehställen (luak) und wenigen kleinen Feldern in der Nähe. Wenn der Boden erschöpft ist, wird die Siedlung aufgegeben und an anderer Stelle neu errichtet.
Die Dinka sind eines der größten nilotischen Völker. Alltag und Identität sind tief mit der traditionellen Viehzucht verwoben.
In Lakes dreht sich fast alles um Rinder. Sie sind Vermögen, Statussymbol und soziale Währung zugleich. Hochzeiten werden mit Rindern besiegelt, Konflikte oft durch Viehzahlungen gelöst. Geschlachtet wird selten – wichtiger sind Milch, Stärke und der symbolische Wert der Tiere. Die Größe und Schönheit einer Herde sagt viel über den Einfluss einer Familie aus.
Besonders lebendig wird die Kultur in den großen Rinderlagern der Trockenzeit. Dort leben junge Männer wochenlang mit den Herden, bewachen sie und verbringen die Abende mit Liedern, Poesie und Geschichten. Körperbemalung, Narbentätowierungen und rituelle Tänze sind Ausdruck von Identität und Mut. Viele Rinder haben Namen und gelten als mit Ahnen verbunden – ein Zeichen dafür, wie eng Spiritualität und Alltag verwoben sind.

Wir übernachteten bei „Abu Diggin“ in Yirol, einem Mitarbeiter des DAHW. Es war schon ein einsamer Posten.
Bei all meinen Aufenthalten in Afrika hatte ich noch nie so viele Stechmücken erlebt wie hier. In dicken Schwaden verschleierten sie die Terassenlampe. Wer sich unbedeckt ins Freie begab, wurde unweigerlich von hunderten der Biester gestochen. Kein Wunder, dass in dieser Provinz die Kindersterblichkeit besonders hoch war. Viele Säuglinge und Kleinkinder wurden von der Malaria dahin gerafft.
Schliesslich erreichten wir Tonj, ein „Städtchen“ am Nil.






Nicht weit von hier, auf der anderen Seite des Flusses, hatte der Bau des Jonglei-Kanals begonnen. Eine Bedrohung des gewohnten Lebens der Dinka und Nuer und der Ökologie des Sudd.
Am Ende entschieden wir uns nur für einen Einsatz in Rumbek, der Provinzhauptstadt, da uns die Lebensbedingungen für junge deutsche Entwicklungshelfer*innen in anderen Orten dann doch zu schwer erschienen.
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