Es gibt viele Krisen und Kriege in unserer Zeit. Im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen die Ukraine und Gaza.
Die größte humanitäre Katastrophe findet aber im Sudan statt.
Zwei egomane machtbesessene Generäle haben den seinerzeit keimenden Demokratie-Aufbruch beendet und das Land mit einem Blutbad überschüttet.
Im Mittelpunkt stehen die sudanesischen Streitkräfte (Sudanese Armed Forces, SAF) unter General Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärischen Schnellen Einsatzkräfte (Rapid Support Forces, RSF) unter General „Hemeti“ Mohamed Hamdan Daglo. Und weitere kaum kontrollierte Milizen richten unter der Zivilbevölkerung Darfurs unglaubliche Gräueltaten an.
Durch den Bürgerkrieg wurden bislang mehr als zwanzigtausend Menschen getötet. Wobei hier nicht gezählt ist, wie viele Menschen an Hunger, wie viele Kinder an Unterernährung gestorben sind.
Mehr als 14 Mio. Menschen befinden sich auf der Flucht, davon zwei Millionen in den Nachbarländern. Fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung des Sudan (26 Mio. Menschen) ist von Hunger und Unterernährung bedroht. Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen 30 Mio. Menschen humanitäre Hilfe.
Die Bürgerkriegsparteien greifen gezielt medizinische Einrichtungen an, weshalb in vielen Gebieten die medizinische Versorgung völlig zusammengebrochen ist.
Massenhinrichtungen und massenhafter Einsatz sexueller Gewalt gegen die Zivilbevölkerung (darunter auch gegen Kinder) gehören zu den Methoden der Kriegsführung.
Ohne die Unterstützung durch verschiedene ausländische Akteure hätten die Bürgerkriegsparteien aber deutlich weniger Mittel für ihre grausame Kriegsführung.
Unterstützer der SAF ist das Nachbarland Ägypten, das die SAF direkt mit Waffen beliefert und eine seiner eigenen Regierungsform ähnliche Militärdiktatur im Nachbarland bevorzugt. Saudi-Arabien verfügt zumindest über gute Verbindungen zu al-Burhan. Die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) unterstützen die RSF, liefern ihnen über den Tschad Waffen und profitieren vom Schmuggel des Goldes aus den unter RSF-Kontrolle stehenden Minen. Die USA und Russland haben Kontakte zu beiden Generälen. Russland verfolgt dabei das Ziel eines Marinestützpunktes in Port Sudan am Roten Meer. Zahlreichen Berichten zufolge ist mit der mittlerweile in „Afrikakorps“ umbenannten Wagner-Gruppe ein dem russischen Verteidigungsministerium unterstellter Akteur für die RSF tätig.
Die kommerziellen und geopolitischen Interessen ausländischer Mächte befeuern den Konflikt. Allerdings kämpfen beide Bürgerkriegsparteien ohne Rücksicht auf die Bevölkerung für ihre eigenen Interessen.
Insgesamt schätzen die VN den Finanzbedarf für die Versorgung der Menschen im Sudan selbst auf 4,2 Mrd. USD, für die sudanesischen Flüchtlinge in den Nachbarländern auf 1,8 Mrd. USD.
Zwar hatten im April 2024 verschiedene Geber auf einer Konferenz in Paris insgesamt 2 Mrd. USD an Hilfen zugesagt, von denen bisher aber wenig vor Ort angekommen ist.
Zuletzt haben der amerikanische Präsident Trump und der ihn beratende Unternehmer Musk der humanitären Hilfe für den Sudan durch die massiven Einschränkungen der Arbeit von USAID einen schweren Schlag versetzt. Ca. 1.100 Essensausgabestellen, die rd. 2 Mio. Menschen versorgten, mussten schließen.
Der Hohe Kommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Volker Türk, prangert an, dass die Weltgemeinschaft den Bürgerkrieg vergessen habe.
VN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete den Krieg als „schlimmste und am schnellsten wachsende humanitäre Krise der Welt.“
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Das ist das, was mich seit Langem umtreibt. Der Krieg vor unseren Augen, Israel und Syrien sind offenbar die einzigen Konflikte von Interesse. Ab und an die Kurden. Und alle anderen Konflikte sind Nebensache bis nicht erwähnenswert. Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast. Die Schockstarre über die Politik Trumps und seinem Frettchengesicht muss ich erst noch überwinden