Südfrankreich 2025
Im zweiten Jahrhundert hatten die Römer ein komplexes Wasserleitungssystem an den südlichen Hängen der Alpillen, einer Kalksteinkette im Südwesten der Provence, gebaut. Zunächst führten die Aquädukte „Caparon“ und „Eygalières“
Wasser in ein Sammelbecken beim heutigen Fontvieille bevor dieses zur Versorgung der Stadt Arles weitergeleitet wurde. Ein Teil des Wassers wurde aber über ein parallel verlaufendes Aquädukt geleitet, um Wasserräder von Mühlen anzutreiben.



Die Pfeiler wurden aus kleinen Werksteinen errichtet, während für den Unterbau große Steinblöcke verwendet wurden. Die Bögen bestanden aus kleinen Werksteinen, die mit Backsteinen ergänzt wurden.






Die Leitung nach Arles bog in einem Winkel von etwa 90° ab und verlief hier mit leichtem Gefälle weiter zur Stadt. Der zweite Leitungsstrang führte dagegen durch einen Felsdurchstich über die Hangkante in die Mühlen.


Die Mühle bestand aus 16 einzelnen Mühlwerken, die je ein Mahlwerk betrieben. Sie waren in zwei parallelen Achterreihen am Abhang hintereinander angeordnet.





Historiker betrachten den Mühlenkomplex als erste Industrieanlage der Welt. Sie versorgte die Stadt Arleat (Arles) mit Mehl. Plattbodenboote, die auf dem Wasser der Sümpfe von Les Baux verkehrten, brachten die Säcke mit Getreide und fuhren mit Mehl beladen nach Arleat. Die Mühlen konnten täglich bis zu 4,5 Tonnen Mehl produzieren und versorgten damit die Bevölkerung von Arleat. Sie arbeiteten nicht ununterbrochen, sondern konnten dank eines Ventilsystems bei Bedarf gestoppt werden. Das Wasser wurde dann nach Arles umgeleitet. Ein Modell, das den ursprünglichen Zustand des Komplexes reproduziert, ist im Museum des antiken Arles ausgestellt.

Entdecke mehr von Dr. Bergis Schmidt-Ehry
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.