Dunkerque

Belgien-Frankreich-Reise 2024

Dünkirchen stand durch ihre strategische Lage an der Nordküste Frankreichs im Laufe der Geschichte oft im Zentrum militärischer Konflikte.

Während des Ersten Weltkrieges diente Dünkirchen als wichtiger Hafen für die Versorgung der Alliierten und als Basis für Operationen in Belgien und Nordfrankreich. Die Stadt erlebte zahlreiche Luftangriffe und wurde aufgrund ihrer strategischen Bedeutung heftig umkämpft. Die Nähe zur Front machte sie zu einem kritischen Punkt für die Logistik der Entente-Mächte. Auf die Not der Bewohner*innen wurde wenig Rücksicht genommen. Die Erfahrungen im Ersten Weltkrieg haben aber wahrscheinlich die Verteidigungsbereitschaft der Stadt in den darauffolgenden Konflikten gestärkt.

Im Zweiten Weltkrieg war die Schlacht von Dünkirchen im Mai und Juni 1940 ein Wendepunkt in der frühen Phase des Krieges. Während des deutschen Westfeldzugs war Dünkirchen der letzte Evakuierungshafen der British Expeditionary Force, die in Frankreich als Teil der defensiven Strategie der Westalliierten eingesetzt worden war.

Die Operation Dynamo, wie die Evakuierung genannt wurde, war eine der größten Rettungsaktionen des Zweiten Weltkriegs. Es gelang den Briten und Franzosen, den Brückenkopf so lange zu verteidigen, bis über 330.000 ihrer Soldaten evakuiert werden konnten. Dies war nur möglich, weil neben den britischen Kriegsschiffen auch private Fischer-Boote, Yachten und Trawler unter ständigem Bomben-Hagel und Angriffen der deutschen „Sturzkampf-Flugzeuge“ heldenhaft an der Evakuierung teilnahmen – ein Beispiel für menschlichen Mut und Entschlossenheit unter extremen Bedingungen.

Die Einnahme der Stadt durch die deutsche Wehrmacht erfolgte am 4. Juni.

Im Jahr 1944 wurde Dünkirchen erneut belagert. Diesmal durch kanadische und tschechoslowakische Truppen der Befreier. Obwohl Dünkirchen für die Alliierten kein vorrangiges Ziel war, nachdem Ostende erobert und der dortige Hafen für Nachschubzwecke in Betrieb genommen worden war, blieb die Stadt hart umkämpft. Während eines Waffenstillstands vom 3. bis zum 6. Oktober 1944 wurden 17.500 französische Zivilisten sowie alliierte und deutsche Verwundete aus Dünkirchen evakuiert. Aber die deutschen Einheiten unter Vizeadmiral Friedrich Frisius ergaben sich erst einen Tag nach der Kapitulation des deutschen Reiches am 9. Mai 1945. Ein Beispiel für die schwachsinnige „Durchhaltementalität“ deutscher Generäle.

Die Bombardierungen und die daraus resultierenden Zerstörungen haben Dünkirchen schwer getroffen. Die Stadt war die erste schwer bombardierte französische Stadt im Zweiten Weltkrieg und auch die letzte, die befreit wurde.

Die Erinnerung an die Opfer und die Zerstörung, die der Krieg mit sich brachte, bleibt ein wesentlicher Teil der lokalen Geschichte und Identität.

Kasematten und Museum zur „Operation Dynamo“
Das 1897 erbaute Rathaus trotzte Bomben und Belagerung.

Etwa zur gleichen Zeit wurden die speziellen Speicher für den Rübenzucker errichtet, die Dünkirchen zum wichtigsten Hafen Frankreichs für den Export von Zucker machte.


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