Es geschah vor 80 Jahren – Deutschland wurde „gleichgeschaltet“

Am 28.3.1934 wurden die Rundfunkanstalten der Länder im deutschen Reich „gleichgeschaltet“ und dem Propagandaministerium angeschlossen. Damit wurde ein Prozess abgeschlossen, der Josef Goebbels und die Nazis zu Herrschern über die öffentliche Meinung machte.

Begonnen hatte dieser Prozess mit der Einrichtung eines Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda am 13.März 1933 – also kurz nach der Machtübertragung auf Hitler und seine Faschisten. 

Hitler und seine Gefolgsleute hatten aber früh erkannt, dass neben den politischen und administrativen Maßnahmen zur Gewinnung und Sicherung der Macht die „Massen für die Ziele und Inhalte des Nationalsozialismus mobilisiert“ werden mussten.

Hitler wähnte, dass „der Presseeinfluss auf die Masse der weitaus stärkste und eindringlichste ist, da er nicht vorübergehend sondern fortgesetzt zur Anwendung kommt.“ Folglich wurde bereits kurz nach der Machtübergabe die Presse gleichgeschaltet. Hierbei bedurfte es nur einiger entscheidender Verbote und Drohungen, die die Angst so schürten, dass die linke oppositionelle Presse bald zum Schweigen gebracht war. Im Februar und März wurden die kommunistischen und sozialistischen Zeitungen verboten, im Mai folgten die sozialdemokratische und die Gewerkschafts-Presse.   Die liberale und konservative Presse unterwarfen sich schnell den Vorgaben der Faschisten.  Nachdem Hitler sich über einen  Artikel geärgert hatte, wurde selbst die rechts-konservative Deutsche Allgemeine Zeitung von den Faschisten vorübergehend verboten. Die Zeitung  musste ihren Chefredakteur opfern, um wieder erscheinen zu dürfen. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Leitung von Joseph Goebbels wurde zentrale Überwachungsinstitution der Medien. Journalisten, die den Faschisten politisch und ideologisch nicht passten, wurden entlassen, vertrieben und verfolgt und nicht selten ermordet.

Noch bedeutender als die Kontrolle war allerdings, dass das Ministerium der Presse eindeutige Vorgaben machte. Schwerpunkte und Inhalte der Berichterstattung wurden in täglichen Pressekonferenzen im Propagandaministerium sowie durch eine Flut von Presseanweisungen festgelegt. Zeitungen mussten berichten, was Goebbels ihnen diktierte. Selbst geringfügige Abweichungen von den Sprachregelungen des Propagandaministeriums zogen drastische Sanktionen nach sich. 

Mit dem Schriftleitergesetz vom 4.Oktober 1933 erhielten Zeitungen den Status eines „Trägers öffentlicher Aufgaben“ und wurden damit zu einem Instrument der staatlichen Propaganda. Ihre Aufgabe war nunmehr, das deutsche Volk im Sinne des Faschismus zu beeinflussen. Journalisten mussten sich in eine von den Nazis kontrollierte Liste eintragen lassen, um ihren Beruf auszuüben. Schriftleitern (heute: Chefredakteur), die nicht auf der Liste standen, drohte Haft und Schlimmeres. Registrierte Journalisten durften nur berichten, was die Nazis vorgaben und Schriftleiter mussten aus den Zeitungen fernhalten, was der NS-Ideologie widersprach. Auf der Basis des Reichskulturkammergesetzes wurden etwa 1500 Verlegern die Verlagsrechte entzogen – wegen „Nichterfüllung der neuen Anforderungen“. Die Freiheit der Presse war endgültig dahin.

Zwar konnte man mit dem Volksempfänger auch ausländische Sender hören, aber das war natürlich unerwünscht und wurde mit dem Ausbruch des 2.Weltkrieges 1939 unter Androhung drakonischer Strafen bis hin zur Todesstrafe verboten. Kurz vor Kriegsbeginn folgte dem VE301 der „Deutsche Kleinempfänger“ für nur 35 Reichsmark, der im Volksmund „Goebbels-Schnauze“ genannt wurde. Die massenhafte Verbreitung der Volksempfänger ließ die Zahl der Rundfunkhörer bis 1939 auf über 11 Millionen und bis 1943 auf 16 Millionen eingetragene Nutzer hochschnellen. Mit monatlich 2 Reichsmark trugen ihre Gebühren wesentlich zur Finanzierung der Reichs-Rundfunk-Anstalt und des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda bei. Somit finanzierten Millionen Deutsche ihre Desinformation selbst!

Als „modernstes Beeinflussungsmittel“ hatten Hitler und Goebbels schon früh auch den Film entdeckt, da der Zuschauer „durch  unterbewusste und emotionale Wirkung manipulierbar“ würde. Nach dem „Wahlsieg“ der NSDAP 1933 wurde die Reichsfilmkammer gegründet. Alle Filmschaffenden, d.h. Produzenten, Filmregisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler mussten ebenso wie die Kinobesitzer Mitglieder sein. Sie wurden damit dem Diktat der Faschisten unterworfen. Goebbels verbot Filme, die das „nationalsozialistische, religiöse, sittliche oder künstlerische Empfinden verletzten“ und erklärte, „Künstler müssen sich den Gesetzen der Ordnung und der nationalen Disziplin fügen: wenn sie das nicht wollen, verlieren sie wie jeder andere Bürger auch ihren Kopf“.

Die gleichgeschaltete Presse, Literatur, Film und Rundfunk standen im Dritten Reich völlig im Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung und dienten als wichtigste Instrumente der Massenbeeinflussung.

Bereits in seiner 1925 und 1926 erschienenen politisch-ideologischen Programmschrift „Mein Kampf“  hatte Hitler die Grundzüge der faschistischen Propaganda entwickelt: Beschränkung auf wenige Themen, eingängige Schlagworte, geringer geistiger Anspruch, Vermeidung von Differenzierungen und ständige Wiederholung der jeweiligen Glaubenssätze. Sie müsse sich vorwiegend an das Gefühl und nur wenig an den Verstand richten, sie müsse „volkstümlich sein und ihr geistiges Niveau auf die Aufnahmefähigkeit der Beschränktesten… richten“ (Nicht wenige Veröffentlichungen und Auftritte der NPD und anderer rechtsradikaler Organisationen folgen offensichtlich bis heute diesen Leitlinien!)

Selbst die Niederlage von Stalingrad nutzte die NS-Propaganda geschickt, um die absolute Unterwürfigkeit der Deutschen zu signalisieren. Die Ruinen von Stalingrad sind in Rot gezeichnet, mit der kommunistischen Fahne und dem Kommunistenstern obendrauf. Doch darüber erscheint die Hand des Führers in missionarischem Licht, im „Heiligenschein“ (Strahlenmeer) und erzeugt im Betrachter religiöse Gefühle, denen sich die Bevölkerung kaum erwehren konnte.

Die Aussage: Es geht um den „heiligen“ Krieg gegen den Kommunismus und wer dem Führer folgt, ist „heilig“.

….und die deutsche Bevölkerung muss dem Führer also in den Untergang folgen…

Die Propaganda der Faschisten hat es geschafft, dass die Deutschen JA zum Totalen Krieg sagten. Am Ende des Dritten Reiches hatten 9 Millionen Deutsche ihr Leben verloren.

Wer sich nicht erinnert, kann wieder schuldig werden.

Dieser Artikel erschien erstmals im März 2014 in den Wetzlarer Nachrichten


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