Bagamoyo

Tansania 2003 und 2005 (Adda Tours 1)

Bagamoyo, an der Küste des Indischen Ozeans in Tansania, liegt etwa 75 Kilometer nördlich von Daressalam.

Bagamoyo ist ein Ort, an dem sich afrikanische, arabische und europäische Geschichte auf engstem Raum überlagern. Die kleine Küstenstadt im heutigen Tansania war Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur ein bedeutender Handelsplatz, sondern auch die erste Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika – ein Brennpunkt kolonialer Ambitionen und Konflikte.

Ruine der Boma – einst Verwaltungssitz der deutschen Kolonialverwaltung
Die Römisch-katholische Heiliggeistkirche ist ein Teil der historischen katholischen Mission in Bagamoyo, welche die älteste katholische Mission in Ost- und Zentralafrika ist und im Jahr 1868 gegründet wurde.

Lange bevor deutsche Kolonialbeamte ihre Flagge hissten, war Bagamoyo ein lebendiges Zentrum des Swahili-Handels. Karawanen aus dem Landesinneren endeten hier, beladen mit Elfenbein, Gewürzen und versklavten Menschen. Der Name Bagamoyo wird häufig als „Leg dein Herz nieder“ gedeutet – ein Hinweis auf die Strapazen der Karawanenrouten und die Schicksale vieler Menschen, die von hier aus über den Indischen Ozean verschifft wurden.

Persischen Moschee in Kaole: Die ältesten Ruinen einer islamischen Moschee der Region stammen aus dem 13. Jahrhundert.

Mit der Expansion der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft ab 1885 wurde Bagamoyo zum ersten administrativen Zentrum der deutschen Kolonie. Von hier aus organisierten die Kolonialbeamten ihre Herrschaft, verhandelten mit lokalen Machthabern – und führten militärische Operationen durch, etwa gegen den arabischen Aufstand von 1888/89.

Die Stadt war jedoch nur für kurze Zeit Hauptstadt. Die Deutschen verlegten ihre Verwaltung bald nach Daressalam, das als Hafen und strategischer Standort besser geeignet war. Dennoch blieb Bagamoyo ein wichtiger Stützpunkt und Symbolort deutscher Präsenz.

Bagamoyo wirkte 2003 noch wie ein ruhiges Fischerdorf mit Dhows am Strand und Männern, die ihre Netze flicken. Doch hinter dieser Gelassenheit steht eine bewegte Vergangenheit: Im 19. Jahrhundert war Bagamoyo ein bedeutender Handelsplatz und sogar die erste Hauptstadt von Deutsch‑Ostafrika. Die stillen Gassen und verfallenen Kolonialbauten erinnern noch immer an diese Zeit.

…und schon 2005 gab es hier ein Internet-Cafe

Bagamoyo war auch Ausgangspunkt für Expeditionen angesehener europäischer Forscher. Von Bagamoyo aus machten sie sich auf die Suche nach den Quellen des Nil und erforschten Afrikas Binnenseen. Zu ihnen gehörten zum Beispiel David Livingstone, Richard Francis Burton, John Hanning Speke, Henry Morton Stanley, und Emin Pascha.

Dass das Herz von David Livingstone im Baobab-Baum von Bagamoyo versteckt wurde, ist wohl eher eine lokale Legende. Der britische Entdecker und Missionar, starb 1873 in Ilala, nahe Daressalam in Tansania. Sein Herz wurde aber wohl über Bagamoyo nach Großbritannien zurückgebracht.

Heute ist Bagamoyo ein wichtiges Zentrum für Kunst und Kultur, mit dem Bagamoyo Arts and Cultural Institute, das traditionelle tansanische Kunst, Tanz und Musik lehrt.

Mehr beim Freundeskreis Bagamoyo


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